Ziemlich beste Freunde?!

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Fast jeder wird ihn kennen, den französischen Film „Ziemlich beste Freunde“, der 2012 in den deutschen Kinos lief. Es ist die Geschichte des querschnittgelähmten Rollstuhlfahrers Philippe, der bei seiner Suche nach einer neuen Pflegekraft auf den vorbestraften Driss trifft. Beide scheinen überhaupt nicht zusammenzupassen, doch nach anfänglichen Schwierigkeiten lernt sich das ungleiche Paar immer besser kennen. Es entsteht dabei eine Freundschaft, die das Leben beider verändert. Der Film zeigt neben Ausschnitten zweier unterschiedlicher Schicksale ein Berufsmodell, welches innerhalb der organisierten Behindertenhilfe immer mehr an Bedeutung gewinnt: die Persönliche Assistenz.


Die Persönliche Assistenz ist eine Form der Dienstleistung, die es Menschen mit Behinderung ermöglicht, ein Leben mit einer größtmöglichen Selbstbestimmtheit zu führen. Im Gegensatz zu anderen überwiegend fremdbestimmten Konzepten liegen hier alle Entscheidungskompetenzen beim behinderten Menschen selbst. Er wird in allen Bereichen seines alltäglichen Lebens von so genannten Persönlichen Assistenten unterstützt, die ihm auf seinen Wunsch hin dort zur Seite stehen, wo er aufgrund seiner Einschränkungen auf Hilfe angewiesen ist. Das umfasst pflegerische Tätigkeiten ebenso wie die Haushaltsführung, Begleitung zu Terminen, Unterstützung bei Freizeitaktivitäten, bei der Arbeit usw. Dabei begleitet der Assistent die behinderte Person in deren Alltag und hält sich mit in den privaten Wohnräumen auf, um so jederzeit zur Verfügung zu stehen, wenn es erforderlich ist. Die Arbeit ist daher besonders eng und intim wie wohl in kaum einer anderen Tätigkeit, so dass es nicht verwunderlich ist, wenn daraus Freundschaften entstehen, wie es im Film zu sehen ist.


Es muss jedoch jeder für sich selbst entscheiden, ob er mit seinem Assistenten befreundet sein oder lediglich ein freundschaftliches Arbeitsverhältnis führen möchte. Seit 10 Jahren lebe ich nun mit Assistenz und kenne die angenehmen aber auch unangenehmen Seiten, wenn man mit einem Assistent bzw. in meinem Falle einer Assistentin befreundet ist. Das angenehme daran ist, dass man ja viel Zeit miteinander verbringt und sich gut kennt und weiß, was der andere mag bzw. nicht mag. Unangenehm wird es jedoch, wenn man die Grenze zwischen Freundschaft und Arbeit nicht mehr wahrnimmt und Dinge nur der Freundschaft zuliebe tut. Dann wird es für beide Seiten schwierig.
Es ist und bleibt immer eine Herausforderung, wenn man mit Assistenz lebt. Wichtig dabei ist es jedoch – ob nun Freundschaft oder nicht – dass man ehrlich miteinander umgeht!

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